Gut gemacht: Landwirtschaftliche Flächen

Wie die Landwirtschaft beitragen kann zu mehr Blüten- und Artenvielfalt zeigen ausgewählte Best-Practice-Beispiele, die wir hier vorstellen.

Der Link im Titel führt zu weiteren Informationen.

© Heli Kammerer
Steirischer Wiesenpreis 2020
Bei einem landesweiten Wettbewerb waren die „besten“ Blumenwiesen der Steiermark gesucht. Nun steht es fest: Die artenvielfältigste Wiese der Steiermark wächst in Stattegg. Sie gehört Heli Kammerer, der selbst ein ausgewiesener Wiesenexperte ist. Wen wunderts, dass seine Wiese in der Nähe von Graz  in fast allen Kategorien überzeugen konnte: Anteil wiesentypischer Gräser und Kräuter, Vorkommen von wiesenfremden Arten, Bedeckungsverhältnis von Kräutern zu Gräsern sowie Wüchsigkeit und Düngezustand und Strukturreichtum.
Kammerer bewirtschaftet sein Grünland auf 700 m Seehöhe im Grazer Bergland westlich des Schöckls traditionell zweischürige. Die Heumahd erfolgt abschnittsweise je nach Entwicklungsstand der Pflanzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Kammerer gewinnt auf diesen “Vielfaltsflächen“ auch artenreiches Wiesensaatgut, das bei ihm unter www.leberbluemchen.at auch bezogen werden kann.



© Bio Austria

Von Blüten am Acker
Vielfältige, artenreiche Ackerstrukturen wie Blühflächen, Ackerraine, Hecken, Gebüsch- und Baumgruppen sind Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Leider sind sie heute zum Großteil aus der Kulturlandschaft verschwunden.
In dem Kurzfilm „Von Blüten am Acker“ von Bio-Austria beschreibt der Bio-Bauer Paul Weiß aus Lasse,e wie notwendig Artenvielfalt für die Landwirtschaft ist, dass Biotopverbundsysteme wichtig sind und warum die Zusammenarbeit von Landwirten, Jägern und Naturschutzabteilungen eine fruchtbringende Kombination ist. Ein Film der Mut und Lust auf mehr Vielfalt in der Ackerlandschaft macht!

 

© Kathrin Grobbauer
Hummeln sind die besten Kürbisbestäuber
Nicht nur bei Kürbissen ist oft mangelhafte Bestäubung die Ursache für schlechte Erträge. Mit Unterstützung des Bienenschutzfons wurde nun untersucht, welchen Anteil Honigbienen bzw. Hummeln an der Bestäubung der Kürbisse haben. „Sieger“ waren eindeutig die Hummeln. Nur mit einer guten Bestäubung bringt der Ölkürbis genug Kerne hervor. Dazu müssen große Pollenmengen von den männlichen zu den weiblichen Blüten transportiert werden. Das erledigen Hummeln im Vergleich zu Honigbienen deutlich besser. Entlang von rund 680 ha Kürbisfeldern in Ostösterreich haben Landwirte Blühstreifen zur Förderung von Hummeln angelegt und wurden mit eindeutig mehr Ertrag belohnt:  Das Ergebnis zeigt wie wichtig vielfältige, blütenreiche Landschaften mit Blühstreifen, Rainen, Brachen und Hecken für die Bestäuber sind. Die Blütenvielfalt bietet den Hummeln den für die Brut notwendigen Pollen sowie Nahrung, wenn die Kürbisblüten verblüht sind.



© ÖNB Archiv

Mit Blühstreifen gegen das Artensterben im Ennstal
Arten verschwinden, vor allem im Agrarland, weil es kaum mehr Blumenwiesen und Streuobstwiesen gibt. Deshalb haben Land Steiermark, Naturschutzbund, HBLFA Raumberg-Gumpenstein und LWK bereits vier ha Blühstreifen und andere Landschaftselemente angelegt und so Lebensräume und Nahrung für Insekten und Wiesenvögel geschaffen. Die Projektträger setzen dabei auf enge Zusammenarbeit mit den Landwirten, die diese Maßnahmen auf freiwilliger Basis umsetzen und Förderung dafür erhalten. Mit der Verlängerung dieses „Blühstreifenprogramms“ bis 2020, sollen die die Vielfaltsflächen verdoppelt werden.



© Esterhazy

Struktur auf weiter Flur
Das Biolandgut Esterhazy im Burgenland schafft gezielt Strukturen, um die Artenvielfalt zu fördern: Blühflächen, Hecken und Zwischenfrüchte lassen über das Jahr ein für die Biodiversität wertvolles Mosaik an vielfältigen und besonderen Lebensräumen entstehen. Esterhazy bewirtschaftet alle Flächen biologisch und im Sinne eines umfassenden Naturschutzes. Im Betrieb am Westufer des Neusiedlersees setzt man, wissenschaftlich begleitet, modellhaft ein Konzept zur Förderung der Artenvielfalt um: Blühflächen und Zwischenfrüchte werden in die Produktion eingegliedert und mit Hecken kombiniert, um gezielt Biotopverbund zu ermöglichen. Mittlerweile entstand so auf rund 300 ha Produktionsfläche ein geschickt verteiltes Mosaik von rund 17 ha Blühflächen und mehr als 15 ha Hecken und Windschutzgürtel.

© ÖNB Archiv

Erfolgreiche Mähgutübertragung
Damit sich nach der Nutzungsaufgabe eines Ackers wieder eine standortgerechte Wiese entwickeln kann, haben die  Bundesforste im Nationalparkbetrieb Donau-Auen ein Pilotprojekt zur Wiesenrückführung gestartet. Durch die Übertragung von Mähgut einer vielfältigen „Spenderfläche“ auf eine artenarme Brachfläche sollte eine bunte Blumenwiese entstehen. Dazu wurde frisches Mähgut mit den lokaltypischen Arten von einer nahe gelegenen bunten Wiese mit ähnlichen Standortbedingungen auf der „Empfängerfläche“, ausgebracht. Ab dem Folgejahr wurde die Wiesenentwicklungsfläche zumindest zweimal jährlich gemäht. Ein erstes Monitorings nach zwei Jahren zeigte, dass sich die Artenzahl um mehr als ein Drittel erhöht hat.


© Hageneder

Blumenwiese der Familie Hageneder
Die Blumenwiese von Familie Hageneder aus Grünau war 2015 Oberösterreichs Wiesenmeister. Über 60 Pflanzenarten, darunter viele Rote-Listen-Arten wie Arnika und Orchideen, sind auf der einmahdigen, über 2 ha großen Wiese des BIO-Betriebs zu finden. Die steile Fläche ist nur mit Motormäher und Sense und mit Einsatz ganzen Familie zu bewirtschaften: Das Gras wird vom Hang händisch herunter gerecht und auf der Ebene getrocknet. Das Heu dient den Nutztieren des eigenen Betriebs als gesundes Futter. Die Freude an der Artenvielfalt, an dem Summen der Insekten und den bunten Blumen, das Bewusstsein ein Kleinod zu erhalten, sowie die gesammelten Kräuter für die Küche und für Tees sind Lohn für die schweißtreibende Arbeit.

.