Blühflächen als Verkehrsbegleitgrün

Oft nur vom Vorbeifahren oder vielleicht von Spaziergängen auf Feldwegen kennen wir noch vereinzelte bunt blühende Säume.

Streifen, die verbinden
Wenn es naturnah ist, berherbergt dieses „Begleitgrün“ eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren. So können Straßen- und Wegränder, Böschungen aber auch Verkehrsinseln eine wichtige ökologische Funktion in der Kulturlandschaft erfüllen: Sie sind Trittsteine und Wanderkorridore und dienen daher der Vernetzung flächiger, naturnaher Lebensräume. Denn diese Grünstreifen mit ihren Böschungen und Gräben sind die letzten Rückzugsgebiete für manche Pflanzen- und Tierarten. Sie erhalten und fördern so die Vielfalt der Arten und Lebensräume.

Vielfältige Lebensraumtypen
Abhängig von unterschiedlichen Lage-, Boden-, Nährstoff- und Feuchtigkeitsverhältnissen können sich in diesen Säumen unterschiedlichste Lebensräume entwickeln. Zudem werden diese Flächen nicht gedüngt, was den Artenreichtum ungemein fördert. Randstrukturen sind für die Aufwertung einer monotonen Landschaft immens wichtig. Auf flächigen und naturnahen Weg- und Straßenrändern wurden fast 1.000 Pflanzenarten erhoben, die ihrerseits wieder mehr als 1.000 Tierarten versorgen. Auch Pflanzenraritäten wie Orchideen und einige seltene Schmetterlingsarten sind immer wieder an Straßen- und Wegrändern zu finden.

Die Bienen sind wählerisch
„Begleitbunt“ ist als Nahrungsquelle für Schmetterlinge, (WIld-)Bienen, Schwebfliegen und viele weitere bestäubende Insekten äußerst wichtig. Bienen etwa ernähren sich fast ausschließlich von Blütennektar und Pollen von Blumen und Gehölzen, die die Weibchen in ihre Nester tragen, um die Nachkommenschaft zu versorgen. Bestimmte Wildbienenarten können jedoch nur Pollen von wenigen Pflanzenarten oder Pflanzenfamilien sammeln. Gerade weil es viele dieser Spezialisten gibt, ist eine große Vielfalt von Blühpflanzen wichtig. Je mehr Arten vorhanden sind, umso mehr Wildbienenarten können sich davon ernähren.

Sicherheit geht vor
Natürlich haben Sicherheitsaspekte, wie zum Beispiel die Sichtbarkeit von Leitpflöcken, höchste Priorität! Blühstreifen, Gehölze und Hecken können besonders in wenig strukturierten Landschaften als Äsungs- bzw. Einstandsbereich für Wildtiere, wie Rehe, Fasane und Hasen, aber auch für Aasfresser dienen. Auf wenig befahrenen Straßen und Wegen ist das Begleitgrün ein wichtiges und positives Strukturelement. Auf stark befahrenen Straßen kann dies jedoch zu schweren Unfällen durch Wildwechsel führen. Kollisionen treten häufiger auf, wenn beiderseits der Straßen und Wege Hecken vorhanden sind. Dann wechseln Vögel, aber auch andere Tiere verstärkt von einer Hecke zur anderen. Daher sollten Straßenränder in einiger Entfernung von der Verkehrsfläche idealerweise als extensive Wiesen gepflegt werden.

Ästhetik vs. Natur
VIele wertvolle Kleinlebensräume sind aufgrund des überzogenen Ästhetik- und Reinlichkeitsanspruchs in der Kulturlandschaft bedroht.

Naturnahe Pflege ist entscheidend
Wenn mehrmals jährlich mittels Saugmähern alles Lebendige eingesaugt wird, kann ein Straßenrand keine wertvolle Fläche werden. Und das Mulchen und Liegenlassen von Mähgut führt zur Nährstoffanreicherung (also Düngung) und Artenverarmung. Idealerweise sollten Straßenränder ein- oder höchstens zweimal im Jahr gemäht und das Mähgut unbedingt entfernt werden.

Für Mensch und Tier
Blühende Ränder und Säume verschönern vom Frühjahr bis in den Herbst das Landschaftsbild und können unentgeltlich zu einem erhöhten Naturerlebnis und -genuss beitragen. Insekten, die durch die Blütenvielfalt angelockt werden, übernehmen auch die wichtige Bestäubung, die den Ernteertrag der Landwirtschaft steigert. Bunt blühende Verkehrsbegleitstreifen erfreuen also nicht nur Mensch und Tier, sondern nützen auch der Landwirtschaft und dem Naturhaushalt.

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